7. September 2018

Paris, Paris

Paris du schöne Stadt. Wie lange habe ich mich nicht um dich gekümmert.

Das erste (und längste) Mal war ich mit 15 in Paris. Zusammen mit meiner drei Jahre älteren Schwester hatten wir uns für 4 oder 5 Tage in ein Jugendhotel eingemietet und von morgens bis abends - zumeist laufend - die Stadt erkundet. Abends fielen wir dann todmüde und völlig k.o. ins Bett und am nächsten Morgen ging es erneut los.



Ich liebe solche Häuser!


Etwa ein halbes Jahr später verbrachte ich mit zwei Schulfreundinnen (wir waren auf dem Weg zu unseren Schüleraustauschfamilien und kamen morgens ins Paris an und abends ging es erst weiter) noch einen Tag in der Stadt der Liebe (ich kannte mich nun ja aus und führte sie herum) und dann machte ich Jahrzehnte später mit meinem Mann einen kurzen Zwischenstopp in Paris. Wir besuchten Freunde in deren Ferienwohnung, fuhren am nächsten Tag zusammen auf den Eiffelturm und dann direkt wieder weiter. Das war's.






Nach den ganzen Anschlägen (in Frankreich) war mir dann eigentlich auch erstmal gar nicht mehr nach europäischen Hauptstädten. Doch irgendwie kamen wir im Frühjahr auf die Idee mir unseren Kindern
einige Tage in Paris zu verbringen. Und im August war es dann soweit.



Tolle Grünanlage direkt neben Notre-Dame



Ja und dann kamen wir in Paris an und meine beiden Vorstadtkinder waren gänzlich überfordert. 
So viele Menschen, die Hektik und dann noch ein so schwer zugängliches Appartment (wir brauchten tatsächlich mehrer Anläufe und jedes Familienmitglied, bis wir die beiden Zahlencode-Schlösser mit jeweils hakendenden Türen im Flur (eine musste man kräftig ziehen, die andere fast eintreten) und das launische Türschloss zwei Etagen höher offen hatten. Ich persönlich frage mich ja wie das mit den Codeschlössern gehandhabt wird, denn es gibt gar keine Klingeln mehr. Also kennt man die Mobilnummer nicht, sieht es schlecht aus mit einem Besuch, oder? 

Jedenfalls führte das dazu, dass meinen Kindern auch das Haus ein wenig unheimlich war. Und dann brachten wir auch noch unser Auto in ein Parkhaus und landeten somit in einem Viertel, in dem wir tatsächlich die allereinzigen Hellhäutigen waren. Zumindest bis wir an die Metrostation kamen, da standen dann nämlich etliche "sehr gut ausgestattetete" Polizisten herum. Da fühlte auch ich mich unbehaglich und fragte mich insgeheim nach dem Grund ihres Erscheinens. Jedenfalls sorgte das alles nicht gerade für ein heimeliges Gefühl bei meinen beiden Süßen 
und sie fragten schon, wann wir endlich nach Südfrankreich weiterfahren würden.


Dieses Unbehagen hat sich dann aber nach dem typischen Sightseeing-Programm glücklicherweise schnell gegeben.




Wenn ich allerdings bedenke, dass ich "damals" noch einfach unter dem Eiffelturm herumspaziert bin, nun alles komplett abgeriegelt ist und man erst nach zwei Kontrollen nach oben darf, hat sich schon viel geändert. Schade. Überhaupt war der Anblick von schwer bewaffneten Polizisten (in ganz Frankreich, nicht nur in Paris) sehr fremd und gewöhnungsbedürftig und löste bei mir häufig beklemmende Gefühle aus.



 
Was ich - neben den Gebäuden, den Sehenswürdigkeiten und den tollen Ausblicken - genossen habe, war die Weite, die großen Plätze, die breiten Straßen, das viele Grün. Und es hat mir tatsächlich richtig gut gefallen, mal wieder mitten in der Stadt zu wohnen. Aus dem Fenster zu schauen und Menschen zu sehen. Sie ein bißchen zu beobachten und sich zu überlegen wohin sie wohl gerade eilen während ich auf meinen Mann wartete, 
der gerade unser (Hochzeitstag-) Frühstück besorgte. Oder die zwei Frauen gegenüber am Balkon, 
die dort wild gestikulierend ihren Abend verbrachten. 
Ja, so ein Stadtleben hat schon was.





Ich glaube ich habe erst beim Paris-Besuch bemerkt, wie sehr ich diese Stadt mag und 
wie gut mir so ein Großstadtbesuch mal wieder getan hat.
Ja, ich habe richtig Lust bekommen, zukünftig wieder mehr Metropolen zu besuchen.  




Die Zeit verging jedenfalls viel zu schnell. Ich hätte noch so viel sehen und einfach ein 
bißchen herumspazieren wollen. Das Flair der Stadt genießen.
Von den fehlenden Cafébesuchen mal ganz abgesehen.


 


Und dann ist mir ja noch was passiert. In der Stadt der Liebe wurde ich tatsächlich angebaggert
- ich weiß gar nicht wann mir das zum letzten Mal passiert ist - ;-))
Ich saß gerade auf den Treppen vor Sacré-Coeur, genoss in bester Laune mein eisgekühltes Bier in der Hand und beobachtete die Darbietung eines gutgebauten Fußballspielers (der sich unter anderem die Straßenlaterne - den Ball kickend - hochzog), während meine Lieben den Turm der Basilika bestiegen. Da kam es zu einem Annäherungsversuch. Dem Alter des Jünglings nach, schätze ich allerdings, dass er es eher auf mein Portemonnaie oder ähnliches abgesehen hatte (#malimmerschönrealistischbleiben), von wegen... Stadt der Liebe und so...pfh.


Salut et à bientot (ohne Akzent, hab keine Ahnung wo ich diese Sonderzeichen finde)
Jutta




Kommentare:

  1. Stadturlaube mag ich auch sehr. In Paris war ich allerdings noch nie. Spannend, was für Eindrücke Du mitgebracht hast.
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  2. ...in Paris war ich noch nie, liebe Jutta,
    obwohl das ja gar nicht so weit weg ist...aber irgendwie zieht es mich gar nicht mehr in die Großstädte...deine Bilder habe ich mir gerne angeschaut und dein Bericht ist unterhaltsam,

    liebe Grüße
    Birgitt

    AntwortenLöschen
  3. Ach ja, meine geliebte graue Taube, Lutetia... Sie it mir immer noch die liebste aller europäischen Metropolen und ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich dort war. Ja, erlatscht habe ich mir die Stadt und konnte abends nur noch sagen "Je suis très, très fatigué ". Besonders schön war es, nachdem ich einen französischen Schwiegersohn hatte und mittenmang in normalen Wohnviertel ( so wie ihr vermutlich bei AirnB ) gewohnt habe. Und besonders süß war es mit meiner damals noch kleinen Mademoiselle Weihnachten 2013 dort unterwegs zu sein.
    Du siehst, ich gerate ins Schwelgen von Erinnerungen...
    Ich glaube gerne, dass sich etwas geändert hat seit den Anschlägen. Die franz. Mimie brachte vor drei Wochen die Enkelin zu uns nach Köln und blieb einen Tag und war sehr, sehr angenervt von ihrer Stadt, dem Krach, dem Dreck
    Den Plan, alle europ. Metropolen kennen zu lernen hatte ich auch mal. Momentan sieht es nicht mehr danach aus, dass ich es schaffe. Bleiben meine Erinnerungen. Oder solche Traumposts wie deiner.
    Bon week-end!
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So viele Metropolen stehen gar nicht auf meiner Liste. Aber es war schön zu sehen, dass es mit den Kindern gut klappt, auch wenn man dann deutlich weniger in Cafés herumsitzt und "nur so" in der Gegend herumspaziert.
      Mit einer französischen Familie im Hintergrund ist es natürlich nochmal ganz anders. Nachdem ich die französische Sprache so liebe, ist das alleine ja schon ein Grund für mehr Frankreichaufentahlte ;-)
      Liebe Grüße
      Jutta

      Löschen
  4. Paris, die Stadt der Liebe (und der Ganoven - wie mein Opa immer sagte). Eine wunderschöne Stadt, die ich das erste und letzte Mal mit 17 besucht habe. Mein großer Bruder hatte mich damals mitgenommen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich dort nicht mit den Menschen warm geworden bin. Aber das ist eine andere Geschichte. Apropos: Jutta, habe ich Dir eigentlich schon einmal gesagt, dass ich Deinen Schreibstil sehr mag. Ich habe (meistens) nach dem Lesen immer gute Laune. Es liest sich immer wunderbar leicht, frisch & fröhlich. Dankeschön dafür. Dass Deinen Kindern das Haus unheimlich vor kam, kann ich gut verstehen. Keine Klingel... tsss! Waren das denn alles Ferienwohnungen? Oder besucht man sich vielleicht in der Großstadt gar nicht mehr?! Hmmm..könnte sein, oder?! Auf jeden Fall hat mir Dein Bericht über Eure Reise wieder Lust auf Städtreise gemacht und dass ist auch gut so, denn in den nächsten Ferien geht es für uns nach Edinburgh. Mein Großer hat es sich so sehr gewünscht. Ganz liebe Grüße an Euch alle und ein charmantes Wochenende, Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na wenn dein Opa da mal nicht recht hatte!!
      Da wurden wir beide also von unseren älteren Geschwistern in Paris "eingeführt" ;-))
      Wie bereits oben erwähnt, liebe ich alleine schon die Sprache und durch meine beiden Schüleraustauschaufenthalte hatte ich so viele nette Kontakte, dass ich ein großer Frankreichfan bin (und eigentlich gar nicht verstehen kann, wieso ich seit meiner Hochzeitsreise nicht mehr dort war).
      Vielen Dank für deine lieben Worte und freut mich, wenn man mich mit einem Lächeln verlässt ;-) Übrigens, das waren alles Privatwohnungen, fast ganz Paris hat nur noch diese Codeschlösser. Die haben ja auch durchaus Vorteile, aber wie das praktisch funktioniert, würde ich wirklich gerne wissen. Und die armen Briefträger, was die sich merken müssen ;-)))
      Edinburgh klingt klasse, bin schon gespannt was du berichten wirst.
      Liebe Grüße
      Jutta

      Löschen
  5. Liebe Jutta,
    bisher bin ich zweimal in Paris gewesen und es war immer sehr schön, allerdings bin isch seit den Anschlägen nicht mehr dort gewesen und es wird ja auch nicht wirklich ruhiger dort.
    Codeschlösser habe ich bei Privatwohnungen noch nie gesehen. Was machen die denn, wenn mal der Strom ausfällt?
    Ich wünsche Dir eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    AntwortenLöschen
  6. Bei diesen tollen Bildern schwelge ich in Erinnerungen. Ich war im Sommer 2013 für zwei Tage in Paris und war dort schon beim Anblick der voll bewaffneten Polizisten sehr überrascht. Wie muss es erst nach den Anschlägen dort aussehen?
    Wie gerne würde ich dennoch wieder einmal hin fahren. Fahren wir doch mit dem TGV nur knapp 2 Stunden nach Paris.... Vielleicht klappt es ja mal wieder.
    Liebe Grüße
    Anette

    AntwortenLöschen

Mit der Nutzung dieses Kommentarformulars wird vom Nutzer bestätigt, dass er mit der Speicherung und Verarbeitung seiner Daten einverstanden ist, und dass ihm die Datenschutzerklärung dieser Seite bekannt ist und er dieser zustimmt.
Für die Kommentarfunktion auf dieser Seite werden neben dem Kommentar auch Angaben zum Zeitpunkt der Erstellung des Kommentars, die E-Mail-Adresse und der Nutzername gespeichert.
Die Kommentarfunktion von Google speichert die IP-Adressen der Nutzer, die Kommentare verfassen. Da die Kommentare auf dieser Seite vor der Freischaltung nicht geprüft werden, benötigen wir diese Daten, um im Falle von Rechtsverletzungen wie Beleidigungen oder Propaganda gegen den Verfasser vorgehen zu können.